28.03.2024

 

 


Ruhetag in Györ

 

 

Die Muskulatur ist inzwischen ganz passabel auf Treten eingestellt, aber wenn der Widerstand hoch ist, meckern die Sehnen immer noch, die sich bekanntlich langsamer anpassen. Ich beschließe, ihnen einen Ruhetag zu gönnen und schaue mir die sehenswerte Stadt an, die am Zusammenfluss von Raab und Moson-Donau liegt und weitgehend sehr ordentlich in Schuss ist.

Diverse Kirchen inkl. Kathedrale, Bischofssitz, das Pendant zum Rheinboulevard an der Moson-Donau, an relativ wenig störender Stelle und dennoch zentral ein Theater, das seinen sozialistischen Baustil nicht verbergen kann und wahrscheinlich auch nie wollte (allerdings ist ja auch im Westen und zwar ganz ohne Sozialismus so manche Vollbetonbausünde entstanden) - wenn es von innen funktional ist, muss man es von außen wohl ertragen, sehr nett dagegen die vielen alten und aufwendigen Gasthaus- und Handwerker-Schilder (wie nennen die sich eigentlich, wenn sie weit über „normale“ zweidimensionale Schilder hinausgehen?

Sehr pompös das Rathaus, wäre auch für eine ausgewachsene Großstadt repräsentativ genug - Györ hat 35.000 Einwohner. Die telefonieren offensichtlich noch nicht alle per Handy, hier steht leicht windschief, aber dennoch eine voll funktionstüchtige Doppeltelefonzelle, die mir hier ausgerechnet am Tag nach dem letzten inländischen Postflug der Deutschen Post begegnet…

Und natürlich - wie fast überall auf der Welt - war Johannes Paul II. auch hier schon vor mir da (was in der Regel etwas auffälliger dokumentiert wurde als meine Besuche, und zwar selbst dann, wenn ich mich viel mehr angestrengt habe, um dorthin zu kommen - das ist ok, aber nicht im engeren Sinne gerecht…)

Beim Mittagessen spricht mich mein Tischnachbar von etwa Mitte dreißig in ausgezeichnetem Deutsch an und es entwickelt sich eine sehr ausführliche Diskussion über beinahe alle Themen dieser Welt. Wir sind längst nicht überall einer Meinung, vielleicht sogar überwiegend nicht, aber es ist eins von den guten Gesprächen, bei der beide Seiten den Standpunkt und die Argumente des anderen respektieren und daher besser verstehen. Wir gehen auseinander mit der Gewissheit, dass wir vielleicht drei Tage diskutieren müssten, aber mit dieser Einstellung sicher zu fast allen Themen gute Kompromisse, Lösungen oder Verständigungen erreichen würden.