26.03.2024

 

 


Hui - mächtig was los draußen

Gols-Mosonmagyarovár

 

Heute morgen lerne ich dann die Begeisterung der Inhaber für ihre Gäste in echt kennen und bin zugegebenermaßen schon sehr beeindruckt - auch vom Frühstücksbüffet. Hier kann man (in der Saison) durchaus auch mal ohne Fahrrad hinkommen.

Das wäre ich am besten schon dieses Mal: über Nacht hat - wie angekündigt - der Wind um 180° gedreht und dabei an Kraft mächtig zugelegt - laut Wetter-App sollen die Windböen bis zu 65 km/h erreichen. Es ist ab der Hoteltür ein zäher Kampf gegen den Wind - und zwar für den Rest des Tages. Sowas gehört eigentlich verboten, oder?

Die gut neun Kilometer bis zur ungarischen Grenze brauchen knapp anderthalb Stunden! Die pannonische Tiefebene, von der in Deutschland kaum einer je gehört hat (was eine Bildungslücke darstellt) soll zwar fast ohne Niederschlag auskommen (was ja für Radfahrer angenehm ist), dass sie aber auch extrem windig sein kann, hat keiner vorher gesagt…

Dass zudem die Straßen in einer Tiefebene ohne jede Biegung gebaut werden können, ist bei Gegenwind eindeutig ein Nachteil. Aber zugegebenermaßen ist die Gegend optisch durchaus ein Genuss - die Felder sind meist schon optimistisch grün und auch hier wird Windenergie im nennenswerten Stil geerntet, wenngleich halt in die falsche Richtung. Wegen der vielen Böen erfordert die Fahrt nicht nur richtig viel Kraft und Durchhaltewillen sondern auch permanent volle Konzentration, damit‘s mich nicht vom Rad haut.

Ich halbiere die Etappe und mache eine zusätzliche Station in Mosonmagyaróvár, einem Thermalbadeort, bei dem die Meinungen zur Heilwirkung des Wassers extrem positiv sind, die zur Qualität des Thermalbades hingegen deutlich durchwachsen. Das -óvár im Ortsnamen steht für Altenburg, die auch noch existiert und gut erhalten ist (weil eine landwirtschaftliche Hochschule das Gebäude nutzt).

Der Ort (und sogar das Hotel) liegt an der gleichen Leitha wie gestern die Stadt Bruck und hat eine Zahnarztdichte, die für eine 35.000-Einwohnerstadt um ein Zigfaches überzogen ist. Wenn man keinen Zahnarzt sucht, muss man an jeder Ecke erstmal den ganzen Schilderbaum auf andere Hinweise durchflöhen. Das Internet klärt auf: halb Österreich kommt hierher für die Zahnbehandlungen, die die österreichische Krankenkasse nicht übernimmt, die aber hier im königlichen Ungarn naturgemäß viel günstiger durchgeführt werden können als im kaiserlichen Österreich.

Auch hier hat das Hotelrestaurant zu, aber es gibt ein tatsächlich sehr ordentliches und auch gemütliches Restaurant zur Mühle (außen mit großen Windmühlenflügeln verziert, obwohl es laut Pons zur Linde heißt), in dem ich sehr gut verpflegt werde. Supermärkte dagegen machen hier auch verblüffend früh zu. Immerhin heißt Hofer hier wieder Aldi, ansonsten kennt man sich natürlich überhaupt nicht aus: die ungarische Sprache ist ja nicht nur maximal anspruchsvoll, sondern bietet auch wirklich nur selten mal einen Ansatzpunkt, sich eine Wortbedeutung herzuleiten. Jó napót heißt guten Tag, köszönöm danke, egy eins, igen ja, nem nein (Betonung jeweils auf der ersten Silbe) - das muss für heute reichen.